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Poseidon Expeditions Magazin
Anja Erdmann-Rutten //

Spannende Fakten für Ihre Nord- bzw. Ostgrönland Reise

Von Fallenstellern, der Sirius-Patrouille und einem Chronisten der Trapper-Geschichte. Anja Erdmann-Rutten berichtet über Grönlands einsamen Nordosten.

In meinem Beitrag für das Poseidon Expeditions Magazin habe ich Ihnen die wichtigsten Dinge über Süd- und vor allem Westgrönland näher gebracht. Wer jedoch denkt, dass man nach einer Süd- bzw. Westgrönland Reise mit der größten Insel der Welt vertraut ist, wird in Nordost - und Ostgrönland eines besseren belehrt. Während der Süden und Westen Grönlands durchaus bevölkert sind, finden sich hier nämlich kaum größere Ansiedlungen.



Nordost-Grönland-Nationalpark - So groß wie Frankreich und Spanien zusammen

Der Nordost-Grönland-Nationalpark wurde am 1.Juli 1974 gegründet. Mit seinen 972.000 Quadratkilometern ist er so groß wie Frankreich und Spanien zusammen - oder 77 mal so groß wie der Yellowstone Nationalpark. Er ist der einzige Nationalpark Grönlands und nimmt 45 Prozent der Fläche Grönlands ein - dieser Nationalpark ist einfach nur… groß! Besuche in diesem Biosphärenreservat sind streng reglementiert. Die grönländische Regierung reguliert streng, wer ihn mit einer entsprechenden Genehmigung überhaupt betreten darf. Außer Inuit-Jägern, Mitgliedern der Sirius-Schlittenpatrouille und den vereinzelt in den Sommermonaten anzutreffenden Arktis Expeditionskreuzfahrten in Grönland wird diese fantastische Naturlandschaft kaum jemals von Menschen betreten.

Mich faszinieren bei jedem Besuch in dieser Region Grönlands stets zwei Gruppen aufs Neue: zum einen sind es die Männer der Sirius-Schlittenpatrouille, die auch heute noch existiert. Zum andern sind es die Hinterlassenschaften der Fallensteller, die sich in den 1960er Jahren aus Grönlands Nordosten zurückgezogen haben. Außerdem gibt es hier auch noch einzigartige Inuit Ruinen, auf die in diesem Beitrag allerdings nicht eingegangen werden soll.


Zwei Mann und ganz viel Weite - Die Sirius-Patrouille

Die Mitglieder der Sirius-Hundeschlittenpatrouille gehören einer dänischen Eliteeinheit an und unterstehen seit Oktober 2012 dem Joint Arctic Command - einer Teilstreitkraft der dänischen Armee - in Nuuk. Gegründet wurde die Sirius-Patrouille im Jahr 1941 mit dem Ziel deutsche Wetterstationen an der grönländischen Ostküste ausfindig zu machen. Das Hauptquartier ist Daneborg.

Stellen Sie sich folgendes vor: auch heute noch wird mit Hundeschlitten ein Gebiet von 81°04′N 61°40′W bis 71°53′N 22°33′W kontrolliert! Allein die Flugdistanz zwischen diesen Punkten beträgt ca. 2.100 km!  Die Hundeschlitten-Teams bestehen aus zwei Männern: einer von ihnen war schon im vorigen Jahr mit dem Schlitten unterwegs und trainiert nun den zweiten Mann, der neu ist. Insgesamt gibt es zwei Schlittenreisen pro Jahr. Die erste beginnt im November und endet (eisabhängig) im Dezember. In dieser komplett dunklen Jahreszeit werden um die 1.400 km zurückgelegt. Ende Januar, wenn das Wetter wieder etwas stabiler wird, beginnt dann die "richtige" Hundeschlittenreise von ca 3.000- 3.500 km. Insgesamt sind sechs Schlitten-Teams unterwegs und innerhalb von drei bis vier Jahren werden per Hundeschlitten alle Gebiete besucht.

Ich habe Freunde, die in der Patrouille unterwegs waren. Eines ist sicher: sie sind wunderbare Ehemänner geworden, die sich wirklich um ALLES kümmern können! Sie bauen ihre Schlitten selbst (denn nur wer den Schlitten selbst baut, konnte ihn auch unterwegs reparieren), können nähen, sich um ihren Teamkollegen und die Hunde kümmern und sind ohne Zweifel echte "MacGyver".


Die Sirius-Patrouille sichert dänische Gebietsansprüche

Aber, warum werden die Strapazen einer derartigen Patrouille überhaupt noch durchgeführt? Die Kurze Antwort, um zu zeigen, dass es sich bei Grönland nicht um ein mit der Antarktis vergleichbares "Niemandsland" handelt. Um das genauer zu verstehen, ist erforderlich ein wenig in der Geschichte zurückzugehen. In ihrer aktuellen Form ist die Patrouille ein Relikt des Kalten Krieges, ihre Anfänge reichen jedoch noch weiter zurück. In einem Urteil aus dem Jahr 1933 befand der Ständige Internationale Gerichtshof, gewissermaßen ein Vorläufer des heutigen Internationalen Gerichtshofs, in einem  Rechtsstreit Dänemarks mit Norwegen, welches Teile Nordostgrönlands besetzt hatte, dass Dänemark, wenn es weiterhin diese Gebiete als Territorium beanspruchen wolle, diesen Anspruch durch Präsenz in eben jenem Gebiet rechtfertigen müsse.


Jäger und Fallensteller machten in Ostgrönland reiche Beute

Wenn die Sirius Patrouille unterwegs ist, schlafen die Männer meist in Zelten. Oder mit etwas Glück auch in einer der Hütten, die noch aus Zeiten der Jäger und Fallensteller stammen.
Die Reichtum der natürlichen Ressourcen Grönlands wurde schon früh entdeckt. 1822 jagten William Scoresby und sein Vater im Eis vor Ostgrönland nach Walen. Nachdem die Robben- und Waljagd in Spitzbergen die Bestände massiv reduziert hatte und neue Fanggründe nötig wurden, kamen 1889 auch die Norweger an die Ostküste Grönlands. Als eines der ersten norwegischen Schiffe  unter anderem mit über 1000 Fässern Speck, 2.730 Robbenfellen sowie 220kg Walrosszähnen nach Norwegen zurückkam, war das Interesse geweckt. Politisch interessant ist, dass nach der dänischen Gründung der Ortschaft Scoresbysund im Jahr 1924, den Norwegern der Zutritt zu vielen Fjorden verboten wurde.


Eine "private" Besatzung - Norwegische Trapper trotzen dem dänischen Hoheitsanspruch

Ein sehr aktiver norwegischer Wal- und Robbenfänger war Hallvard Devold, der insgesamt sechs Jahre als Jäger in Ostgrönland verbrachte (1926-1933). Laut seiner Aussage war das sogenannte „Erik Raude“ Land (Erik Raude = Erich der Rote) von  71° 30’ bis 75° 40’ N  nur von norwegischen Trappern bewohnt- und der dänische Hoheitsanspruch passte diesen Jägern überhaupt nicht. Die Norweger beriefen sich auf ihre Jagdtradition und dass sie im Gegensatz zu den Dänen Hütten bauten. Am 27.Juni 1931 "besetzten" einige Trapper unter Hallvard Devold die Station Myggbukta, hissten die norwegische Flagge und nahmen das Land im Namen des norwegischen Königs in Besitz, der allerdings nichts davon wusste!

Das hissen der norwegischen Flagge auf einem dänischen Territorium war natürlich eine große Provokation, auch wenn es sich eher um eine "private" Besatzung handelte. Dänemark  zögerte nicht und rief den Ständigen Internationalen Gerichtshof an. Dort wurde entschieden, dass die Besetzung rechtswidrig war und Grönland zu Dänemark gehört.


Jörn Riel - Der Chronist der Trapper-Geschichte Nordost-Grönlands

Jörn Riel ist ein Autor, von dem ich immer wieder gerne etwas lese und den ich in diesem Zusammenhang allen an der Geschichte der Trapper Interessierten Polarfreunden sehr empfehle. Der dänische Autor, der 1931 in Odense geboren wurde, hat Romane, Erzählungen, Geschichten und Gedichte veröffentlicht.  Was ihn für mich besonders hervorhebt ist die Tatsache, dass er schon in jungen Jahren als Mitglied einer geologischen Expedition nach Ostgrönland reiste. Insgesamt lebte Jörn Riel 16 Jahre auf Grönland - davon zwei auf der Ella Insel, die wir auch auf unserer Reise "Perlen der Arktis" von Spitzbergen über Grönland nach Island zu besuchen versuchen.

Das Buch "Nicht alle Eisbären halten Winterschlaf" umfasst Kurzgeschichten vom Leben der Fallensteller in Nordostgrönland. Wer schon einmal eine der kleinen Trapperhütten erlebt hat und dann in den Geschichten liest, wie diese von den Fängern als luxuriöse Behausungen empfunden wurden, der schmunzelt unwillkürlich. Die Beschreibungen von Riel und die Geschichten lassen die Hütten in einem anderen Licht erscheinen. Sie erzählen vom Umgang der Trapper miteinander - sie werden oft als sehr eigensinnig und doch liebenswert dargestellt - und auch von denjenigen unter ihnen, die die Einsamkeit bevorzugen. Jörn Riel berichtet von der Jagd, von unglaublichen Geschichten und Begegnungen, die an anderer Stelle wohl als "Seemannsgarn" bezeichnet würden. Und doch steckt immer etwas Wahrheit in seinen Erzählungen, stimmen die historischen Fakten und hauchen den Hütten neues Leben ein. In einem Interview sagte Jörn Riel einmal: "Meinen Erzählungen liegen Geschichten zugrunde, die sich die skandinavischen Jäger im Nordosten Grönlands erzählen." Jedes Mal, wenn wir auf unseren Arktis Expeditionen mit Poseidon Expeditions auf eine dieser Hütten stoßen, denke ich an Jörn Riel und seine Erzählungen.

Empfehlenswert für jede Grönlandreise ist auch Jörn Riels Buch "Gesang des Lebens- die Grönland-Saga".