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Poseidon Expeditions Magazin
Christian Hoppe //

Poseidon Expeditions Buchclub: "Die Schrecken des Eises und der Finsternis"

Das Drama um die Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition

Wahrscheinlich eignet sich kein Roman so gut zur Einstimmung auf eine Expeditionsreise ins entlegene russische Archipel Franz-Josef-Land  wie "Die Schrecken des Eises und der Finsternis", das 1984 veröffentlichte Debütwerk des österreichischen Schriftstellers Christoph Ransmayr. Ransmayr, der jüngst mit dem Ludwig-Börne-Preis ausgezeichnet wurde, gehört heute, mehr als 35 Jahre nach Erscheinen seines Erstlingswerkes, zu den großen deutschsprachigen Gegenwartsautoren. Wir verraten Ihnen im Poseidon Expeditions Buchclub warum sein auf drei Erzählebenen angesiedeltes Werk über die legendäre Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition in keiner Polar-Bibliothek fehlen darf und von uns unbedingt zur Vorbereitung auf eine Franz-Josef-Land Expedition empfohlen wird.


Eine detaillierte Beschreibung der dramatischen Payer-Weyprecht-Expedition

Das Buch ist vielschichtig und irgendwie schwer in eine bestimmte literarische Schublade zu stecken. Im Klappentext und in vielen Rezensionen wird "Die Schrecken des Eises und der Finsternis" als Abenteuerroman bezeichnet, das ist gleichzeitig sicherlich korrekt, wie auch ein wenig unscharf. Denn im Zentrum der wichtigsten Erzählebene des Romans steht die detaillierte historische Beschreibung der schicksalhaften und dramatischen Payer-Weyprecht-Expedition. Diese brach im Sommer 1872 in das unerforschte Nordpolarmeer nordöstlich des sibirischen Archipels Nowaja Semlja auf, um diese seinerzeit weitgehend unbekannte Region näher zu erkunden. Das Expeditionsschiff Admiral Tegetthoff wird dort aber bereits nach wenigen Wochen auf Position auf 79° 51′ vom Packeis eingeschlossen und mit dem Eis in unbekannte Polarregionen abgetrieben. Nach einer mehr als einjährigen Drift, durch die dem Roman seinen Titel gebenden Schrecken des Eises und der Finsternis, entdeckt eine von Skorbut und Erschöpfung gepeinigte Mannschaft eine unter Gletschereis begrabene Inselgruppe und tauft dieses neu entdeckte Land, zu Ehren von Franz Joseph I., des Monarchen von Österreich-Ungarn, "Kaiser-Franz-Joseph-Land".

Roman oder doch große historische Reportage?

In diesen, die Nordpol Expedition beschreibenden Abschnitten, verwebt Christoph Ransmayr die originalen Tagebuchaufzeichnungen der einzelnen Expeditionsteilnehmer so kunstvoll mit seiner eigenen Erzählung, dass man sich beim Lesen dieser Passagen ähnlich in das historische Geschehen hineingezogen fühlt, wie bei der Lektüre von Sir Ernest Shackletons Aufzeichnungen über die heroische Rettung der "Endurance Expedition". Das Buch ist also mehr als ein fiktiver literarischer Text. Es vermittelt gerade durch die Vermischung von schriftstellerischem Werk und authentischen Augenzeugenberichten tiefe Einblicke in das Seelenleben der Expeditionsteilnehmer während Ihrer zwei Jahre im Eis. Durch die Abschnitte über die Entdeckung Franz-Josef-Lands und drei Exkurse zur Polargeschichte ist "Die Schrecken des Eises und der Finsternis" also stellenweise eher eine große historische Reportage.

Interessanter Blick zurück auf Spitzbergens jüngere Geschichte

Die Addition von zwei weiteren Erzählebenen geben dem Buch schließlich seine eigentliche Romanform. Hier integriert Ransmayr kunstvoll die fiktive Geschichte von Joseph Mazzini, ein Nachkomme eines Matrosen der Payer-Weyprecht-Expedition, der mehr als einhundert Jahre nach seinem Vorfahren spurlos in der Hocharktis Spitzbergens verschwindet. Und, auf einer dritten Erzählebene, einen Ich-Erzähler, der seinerseits versucht Mazzinis Schicksal zu ergründen und zu beschreiben. Gerade die Abschnitte um Joseph Mazzini sind auch für Polar-Enthusiasten sehr interessant, beschreiben sie doch das Spitzbergen der späten 70er bzw. frühen 80er Jahre des 20. Jahrhunderts. Ein Spitzbergen in dem noch die Forschung, der Bergbau und die Suche nach Rohstoffen - und nicht wie heute der Tourismus - prägend waren.

Jedem historisch oder literarisch interessierten Polarfreund empfehlen wir "Die Schrecken des Eises und der Finsternis" wärmstens und auch zur Vorbereitung Ihrer Arktis Expeditionskreuzfahrt nach Spitzbergen oder in das Franz-Josef-Land ist es bestens geeignet.

Haben Sie auch einen Polar-Buchtipp? Dann freuen wir uns über Ihre Empfehlung.