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Poseidon Expeditions Magazin
André Kramer //

Zum Nordpol


Jahrhundertelang war die Arktis ein Ort der Sehnsucht für Abenteurer und Seeleute -- und sie ist es bis heute. Schritt für Schritt trieben wagemutige Entdecker die Grenze hinaus ins Unbekannte, bis schließlich vor wenigen Jahrzehnten der Nordpol erreicht war, und zwar erst im selben Jahr, als der erste Mensch die Mondoberfläche betrat.

Dies ist die Geschichte einer Reise auf den Spuren dieser Männer mit Poseidon Expeditions, unterstützt von der Marke Jever und der Radeberger Gruppe. Sie beginnt im Sommer 2019 in Murmansk und führt an die Spitze der Welt, zum geografischen Nordpol.

Murmansk ist eine karge Stadt, in der der Winter neun Monate dauert und im kurzen Sommer die immer tief stehende Sonne nicht untergeht. Es ist Hochsommer, aber nur 11 Grad kalt. Leichter Nieselregen fällt, als wir uns einschiffen. Im Hafen rosten die Kriegsschiffe und Atom-U-Boote einer anderen Zeit vor sich hin.

Eine lange Gangway führt hoch zum tiefschwarzen Rumpf in die knallroten Aufbauten des Eisbrechers „50 let pobedy“. An Bord herrscht bei den moderaten Temperaturen von Murmansk ohne kühlenden Fahrtwind: Hitze. Alle Lüftungsschächte stehen weit offen.

Die Sowjetunion legte den Eisbrecher „50 let pobedy“, zu Deutsch „50 Jahre Sieg“, schon 1989 auf Kiel. 1995 sollte er zum 50. Jubiläum des Sieges über Nazideutschland vom Stapel laufen. Unterdessen fiel der eiserne Vorhang, brach die Sowjetunion zusammen, traten Zukunft der Nordmeerflotte und geopolitische Ambitionen vorübergehend ins Dunkel der Geschichte. Erst 2006 wurde das Schiff fertig gestellt und steht seitdem unter Verwaltung des Staatsunternehmens Rosatomflot. Kapitän Dimitri Lobusow kommandiert es. Seine Mission: die Häfen und Seewege der Nordostpassage nördlich Sibiriens zwischen Murmansk und der Beringstraße eisfrei halten.



Zwei Atomreaktoren treiben die Turbinen des mächtigsten Eisbrechers der Welt auf 3000 Umdrehungen, um Strom zu erzeugen. Dieser treibt drei Elektromotoren mit jeweils 25.000 PS an, die die gewaltigen Schrauben mit jeweils 5 Tonnen Gewicht auf 180 Umdrehungen pro Minute beschleunigen. Sie treiben den 160 Meter langen Koloss durch bis zu drei Meter dickes Eis.

Das tiefschwarze Wasser der Barentssee schlägt gegen den runden Bug, während sich die „50 let pobedy“ vor wolkenverhangenem Himmel stoisch und unaufhaltsam mit 4 Knoten durch die Wellen schiebt. Kurz nach 18 Uhr erhebt sich der erste Eisberg am Horizont wie eine Insel des Lebens inmitten des Ozeans. Eine Kolonie Dreizehenmöwen hat sich darauf niedergelassen.


Nebel umfängt das Schiff, der sich nun durch festes Packeis schiebt, das nur gelegentlich vom Ozean durchbrochen wird. Weiß wie Schnee liegt verwittertes Eis auf den Schollen, die sich

himmelblau aus der Tiefe heben, als der Stahlkoloss sie unter seinem Gewicht zerbersten lässt. Ein Eisbär durchstreift die Wildnis auf der Suche nach Beute und nähert sich neugierig dem Schiff.

Am Morgen des siebten Tags ist es so weit: Das Schiff erreicht den 90. Breitengrad Nord, den geografischen Nordpol, den höchsten Punkt der Erde, zumindest aus kartografischer Sicht. So viele versuchten vergeblich, diesen magischen Ort zu erreichen. Alles versammelt sich am Bug des Schiffs und lässt die Sektkorken knallen. „Happy North Pole!“ tönt es von Passagieren und Crewmitgliedern aller Nationalitäten. Das Erreichen des nördlichsten Punkts wird gebührend mit einem Barbecue auf dem Eis gefeiert, bevor wir den Rückweg antreten.



Zurück in Franz-Josef-Land gehen wir nahe der Apollonow-Insel in die Zodiac-Boote, sehen einen Eisbären auf der Stolichki-Insel und eine Kolonie Walrösser, die sich auf Eisschollen ausruhen. Die Nacht führt uns durch die Straße zwischen der Ziegler- und der Wiener-Neustadt-Insel hindurch, eine atemberaubend schöne Landschaft.

Früh morgens um 6 Uhr trägt uns der Helikopter über die gewaltigen Gletscher, die 85 Prozent der Landmasse von Franz-Josef-Land bedecken. Allein die Gletscherkante ragt 30 Meter aus dem Wasser, zehn Meter höher als die Brücke des Eisbrechers. Wie massig der Gletscher, wie winzig im Vergleich das Schiff wirkt, können Worte kaum beschreiben.



Ein Sturm zieht auf und zwingt die „50 let pobedy“ zu einem Umweg, der nahe an die südöstlich von Franz-Josef-Land gelegene Inselgruppe Nowaja Semlja vorbeiführt. Regen und Sonnenschein wechseln sich ab. Das Schiff rollt auf den Wellen. Es wird aber wieder merklich wärmer. Nach 12 Tagen auf See ist wieder beinahe T-Shirt-Wetter. Zumindest fühlt es sich nach den Tagen in unwirtlicher Kälte so an. Die Vögel sind zurückgekehrt und haben den Eisbrecher in eine Möwenkolonie verwandelt.

Nachts legt das Schiff am Kai an. Glücklich und erschöpft gehen die Teilnehmer der Expedition von Bord. Auf Wiedersehen, „50 let pobedy“, du phantastisches Biest.

André Kramer (Gastbeitrag)

Die komplette Fotostory Sie im Fotoblog des Autors:
http://instantkrama.de