Magazin / Die Drake-Passage - Das legendäre Tor zur Antarktis
23 Juni, 2026
Datum der Veröffentlichung

Die Drake-Passage - Das legendäre Tor zur Antarktis

Die Drake-Passage (auch Drake-Straße) ist die rund 800 Kilometer breite Meerenge zwischen Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas und den Südlichen Shetlandinseln vor der Antarktis. Sie verbindet Atlantik und Pazifik – und markiert für jeden Antarktis-Reisenden eine Schwelle. Hier endet das Festland. Hier beginnt die letzte große Wildnis der Erde.

Ihr Ruf ist gewaltig, doch sie verdient mehr als nur Respekt vor hohen Wellen. Die Drake-Passage ist ein Naturphänomen ersten Ranges, benannt nach dem englischen Seefahrer Sir Francis Drake. Wer sie überquert, reist nicht einfach von A nach B – er durchquert eine der eindrucksvollsten Übergangszonen unseres Planeten. Und genau das macht die Überfahrt zu einem Teil des Abenteuers, nicht zu seinem Hindernis.

Geographie und Lage der Drake-Passage und Kap Hoorn

Wo genau liegt die Drake-Passage?

Geografisch liegt die Passage zwischen etwa 56° und 62° südlicher Breite. Im Norden begrenzt Kap Hoorn an der südlichen Spitze Südamerikas das Gewässer, im Süden die Süd-Shetland-Inseln und die Antarktische Halbinsel; damit ist sie der berüchtigte Abschnitt des offenen Ozeans zwischen diesen Regionen.

An ihrer schmalsten Stelle misst sie etwa 820 bis 1.000 Kilometer und gilt damit als eine der breitesten natürlichen Meerespassagen der Welt. Zum Vergleich: Die Straße von Gibraltar misst an ihrer engsten Stelle gerade einmal 14 Kilometer, und zugleich als wichtigstes geografisches Tor zur Antarktis.

Auch in der Tiefe beeindruckt sie. Durchschnittlich rund 3.400 Meter, stellenweise bis zu rund 5.000 Meter. Unter der Oberfläche zieht sich der Scotia-Rücken hin, eine geologische Besonderheit mit unterseeischen Bergen. (Quelle)

Der Zirkumpolarstrom und die Antarktische Konvergenz

Durch die Passage drängt sich die stärkste Meeresströmung der Erde: der Antarktische Zirkumpolarstrom. (Quelle) Er transportiert je nach Messung rund 140 bis 170 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde – über 500-mal mehr als der Amazonas. Als ACC (Antarctic Circumpolar Current - auf Deutsch: Antarktischer Zirkumpolarstrom) gilt er zugleich als größtes Strömungssystem der Ozeane und als Schlüsselfaktor für das globale Klima. Ungebremst von jeder Landmasse kreist er um den ganzen Kontinent. (Quelle)

Mittendrin liegt die Antarktische Konvergenz, jene Zone, in der kaltes Polarwasser unter wärmere Wassermassen taucht. Diese Strömungen transportieren kaltes Wasser aus dem Pazifik in den Atlantik und verteilen Nährstoffe, Wärme, Salzgehalt und Kohlendioxid. Sie ist eine natürliche Grenze zwischen gemäßigten und polaren Ökosystemen – unsichtbar auf der Karte, aber an Bord deutlich zu spüren, wenn Temperatur und Tierwelt sich plötzlich ändern.

Auch für die Meeresforschung ist die Region zentral: Sedimente am Grund liefern Informationen über CO2 und die klimatische Entwicklung.

Geschichte und Namensgebung - wer war Sir Francis Drake?

Sir Francis Drake und die Entdeckung der Passage

Sir Francis Drake war englischer Seefahrer und Freibeuter. Der Name der Passage geht auf seine Fahrt von 1578 zurück: Ein Sturm trieb ihn während seiner Weltumsegelung weit südlich von Feuerland ab, und diese Entdeckung machte die Möglichkeit einer Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik sichtbar, obwohl er die Drake Passage selbst nie befuhr. (Quelle)

Die Route wurde erstmals 1616 dokumentiert von Willem Schouten und Jacob Le Maire durchquert. Und schon 1525 hatte der Spanier Francisco de Hoces das Gewässer gesichtet – weshalb es auf Spanisch bis heute „Mar de Hoces" heißt. (Quelle)

Die Drake-Passage in der Geschichte der Antarktis-Erforschung

Für die großen Entdecker des Heroischen Zeitalters - Shackleton, Amundsen, Scott – war die Passage ein gefürchtetes Nadelöhr in der historischen Suche nach einem neuen Seeweg. Heute ist sie ein sicherer, komfortabler Expeditionskorridor.

Wetter, Wellen und Bedingungen - was Sie erwartet

Typische Wetterbedingungen und Seegang

Reden wir offen über das, was viele umtreibt. Die Drake-Passage hat zwei Gesichter. Mal zeigt sie sich als „Drake Lake", spiegelglatt und sanft. Mal als „Drake Shake", ruppig und voller Bewegung. Diese beiden Extreme machen die Durchquerung bis heute auf vielen Reisen zu einer großen seemännischen Herausforderung. Beides ist möglich; statistisch ist eine moderate See am häufigsten.

Verantwortlich sind die berüchtigten Westwindgürtel der Südhalbkugel: die„Roaring Forties", „Furious Fifties" und „Screaming Sixties". Die Passage kommt nahezu ohne Inseln aus, daher bremsen keine Landmassen Wind und Wellen. Sie ist etwa 500 Meilen breit und für starke Winde berüchtigt.

Durchschnittliche Wellenhöhen liegen bei etwa 3 bis 5 Metern, bei Sturm auch deutlich höher und bis zu 30 Fuß. Die Lufttemperaturen auf See bewegen sich meist von etwa +5 °C im Norden bis rund -3 °C im Süden, das Wasser zwischen rund 1 und 7 °C. Die Überfahrt dauert in der Regel anderthalb bis zwei Tage pro Richtung. (Quelle)

Wie sicher ist die Überfahrt mit modernen Expeditionsschiffen?

Und wie sicher ist das Ganze? Moderne Expeditionsschiffe sind eisverstärkt, mit Stabilisatoren und fortschrittlicher Navigation ausgestattet; historisch gilt die Region mit über 800 Schiffswracks aus der Zeit der hölzernen Segelschiffe am Meeresboden als extrem verlustreich. Wir von Poseidon Expeditions überqueren die Passage seit 1999 – in unzähligen erfolgreichen Querungen.

Erfahrene Kapitäne nutzen Echtzeit-Wetterrouting, um den ruhigsten Kurs zu wählen, und die Zertifizierungen durch IAATO und AECO setzen klare Standards (Angaben des Anbieters). Seekrankheit? Ein offenes Thema. Ein Bordarzt ist an Bord, und die meisten Gäste haben sich nach wenigen Stunden an den Rhythmus der See gewöhnt.

Tierwelt und Natur auf der Überfahrt

Welche Tiere können Sie auf der Überfahrt beobachten?

Die Drake-Passage ist alles andere als leeres Meer. Sie ist ein Biodiversitäts-Hotspot, getragen von einem Reichtum an Phytoplankton, der die gesamte Nahrungskette speist.

Treue Begleiter sind die Albatrosse. Der Wanderalbatros mit seiner Flügelspannweite von bis zu 3,5 Metern gleitet oft stundenlang im Windschatten des Schiffes. Dazu Sturmvögel, Skuas und Kapsturmvögel. In den nährstoffreichen Gewässern tauchen Finn-, Buckel- und Zwergwale auf, nahe Südamerika auch verspielte Peale- und Stundenglasdelfine; geprägt wird dieser Lebensraum von den rauen Bedingungen des offenen Meeres. (Quelle)

Für Passagiere auf Polar-Expeditionskreuzfahrten gehören neben Buckelwalen oft auch Orcas und mit etwas Glück sogar der Antarktische Sturmvogel zu den eindrucksvollsten Sichtungen.

Die Antarktische Konvergenz – Ein unsichtbarer Ökosystem-Übergang

Der vielleicht bewegendste Moment kommt unscheinbar daher: das Überqueren der Antarktischen Konvergenz. Die Temperatur fällt spürbar, das Meer wirkt verändert, und nicht selten treibt der erste Eisberg vorbei – ein Anblick, der sich ebenso wie viele Tierbeobachtungen tief einprägt und starke Bilder hinterlässt. Ab hier, so sagen es die Bordwissenschaftler in ihren Vorträgen, beginnt die Antarktis wirklich.

Die Drake-Passage mit Poseidon Expeditions erleben

Bei Poseidon wird aus der Überfahrt ein eigenes Kapitel der Reise. Die beiden Seetage füllt ein dichtes Programm: wissenschaftliche Vorträge zu Glaziologie, Meeresbiologie und Ornithologie auf Deutsch und Englisch, Fotografie-Workshops zur Vorbereitung auf das antarktische Licht, Vogelbeobachtung vom Deck, dazu Sicherheitsbriefings und Zodiac-Einweisungen. „Slow Travel" im besten Sinne – mit gehobener Küche und Zeit für Gespräche.

Unsere Expeditionsrouten über die Drake-Passage

Die Standardroute führt von Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, über die Drake-Passage zur Antarktischen Halbinsel und zurück. Erweiterte Routen verbinden die Halbinsel mit den Falklandinseln und Südgeorgien; je nach Programm dauert eine Reise zwischen 10 und 23 Tagen. Weil selten mehr als 100 Gäste an Bord sind, bedeutet das mehr Landzeit, kein Massenbetrieb und ein flexibles Routing.

Warum Poseidon Expeditions der richtige Partner für Ihre Antarktis-Reise ist

Mit über 25 Jahren Erfahrung, einem internationalen Expertenteam und den Zertifizierungen von IAATO und AECO zählt Poseidon Expeditions zu den erfahrenen Spezialisten für Antarktis-Expeditionen über die Drake-Passage. Gerne beraten wir Sie persönlich zu Routen und Terminen.

Praktische Tipps für die Überfahrt

Seekrankheit vorbeugen und behandeln

Zum Thema Seekrankheit lohnt etwas Vorbereitung. Je nach persönlicher Verträglichkeit können ärztlich empfohlene Mittel wie Reisetabletten oder verschreibungspflichtige Scopolamin-Pflaster helfen.

Sanfter wirken Ingwer und Akupressur-Bänder. Dazu die simplen Klassiker: den Blick auf den Horizont richten, an die frische Luft gehen, leicht essen und möglichst eine Kabine mittschiffs auf einem unteren Deck wählen.

Was sollten Sie einpacken?

Ins Gepäck gehört Funktionskleidung nach dem Zwiebelprinzip, biologisch abbaubare Sonnencreme gegen die UV-Strahlung auf See, eine Kamera mit wetterfester Hülle und die persönlichen Mittel gegen Seekrankheit. Die ausführliche Packliste stellen wir Ihnen vor der Reise zur Verfügung.

Häufig gestellte Fragen zur Drake-Passage (FAQ)

Wie breit ist die Drake-Passage?

Die Drake-Passage ist rund 800 Kilometer breit und damit die breiteste Meerenge der Welt. Sie liegt zwischen Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas und den Südlichen Shetlandinseln vor der Antarktis.

Wie lange dauert die Überfahrt durch die Drake-Passage?

Mit einem modernen Expeditionsschiff dauert die Überquerung in der Regel 1,5 bis 2 Tage – also etwa 36 bis 48 Stunden pro Richtung. Die genaue Dauer hängt von Wetter und Seegang ab.

Wie gefährlich ist die Drake-Passage?

Mit modernen, eisverstärkten Expeditionsschiffen, erfahrener Crew und fortschrittlicher Wetternavigation ist die Überfahrt sicher. Poseidon Expeditions hat seit 1999 unzählige erfolgreiche Querungen durchgeführt. Starker Seegang ist möglich, doch die Schiffe sind mit Stabilisatoren ausgestattet.

Was ist der Unterschied zwischen „Drake Lake" und „Drake Shake"?

„Drake Lake" steht für eine ruhige, fast spiegelglatte Überfahrt, „Drake Shake" für stürmische Bedingungen mit hohem Wellengang. Beide Szenarien sind möglich; am häufigsten ist statistisch eine moderate See.

Wann ist die beste Reisezeit für die Drake-Passage?

Die Antarktis-Saison reicht von November bis März. Dezember und Januar gelten mit den längsten Tagen und mildesten Bedingungen als beste Monate. Auch im Februar und März sind Überfahrten gut möglich, dann mit erhöhter Chance auf Walsichtungen.

Welche Tiere sieht man auf der Drake-Passage?

Häufig zu sehen sind Wanderalbatrosse, verschiedene Sturmvogelarten, Wale wie Buckel- und Finnwale, Delfine sowie – nahe der Antarktischen Halbinsel – gelegentlich die ersten Pinguine.

Kann man die antarktische Halbinsel auch ohne Drake-Passage erreichen?

Ja. Bei sogenannten Fly-Cruise-Optionen wird ein Teil der Strecke per Flugzeug überbrückt. Allerdings entgeht einem dabei das einzigartige Erlebnis der Überfahrt – die Tierbeobachtungen, die Vorträge und das allmähliche Eintauchen in die Polarwelt.

Was passiert an Bord während der Überfahrt?

Bei Poseidon Expeditions erwartet Sie ein umfangreiches Programm: wissenschaftliche Vorträge, Fotografie-Workshops, Vogelbeobachtung vom Deck, Expeditionsbriefings und kulinarische Genüsse. Die Überfahrt ist fester Bestandteil des Abenteuers, kein bloßer Transfer.